„Wiesn-Chefin“ Dr. Gabriele Weishäupl spricht über die Bedeutung des Dirndls für das Oktoberfest.
Video: Haus der Bayerischen Geschichte
Bayern ist einer der ältesten Staaten Europas. Seine Anfänge reichen bis ins 6. Jahrhundert zurück. Der erste bayerische Herzog ist mit Garibald I. um 550 urkundlich nachgewiesen. In den folgenden Jahrhunderten entwickelt sich das Land in der Mitte Europas zuerst unter den Welfen sowie ab 1180 unter den Wittelsbachern zu einem bedeutenden Fürstentum. Nach der Revolution von 1918 wird Bayern zum Freistaat und blickt nach den dunklen Jahren der NS-Gewaltherrschaft nun auf eine erfolgreiche Zeit in Demokratie, Frieden und Wohlstand zurück.
Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wird Bayern nach 40 Jahren an der Grenze zum Ostblock wieder zu einem Kernland Europas. Unter Ministerpräsident Edmund Stoiber bemüht sich Bayern um die Ansiedelung von Zukunftsindustrien und gründet im ganzen Land neue Fachhochschulen. Die Bevölkerung wächst durch Zuwanderung rasant von 10,9 Millionen im Jahr 1987 auf 12,4 Millionen im Jahr 2004. Vor allem die großen Städte profitieren, während entlegenere Regionen mit Abwanderung zu kämpfen haben. Der Freistaat wird zur Marke mit weltbekannten Aushängeschildern wie dem FC Bayern, dem Oktoberfest und Schloss Neuschwanstein.
Nicht nur architektonisch eine Attraktion: Das Museum Georg Schäfer in Schweinfurt, erbaut Ende der 1990er, zeigt eine der bedeutendsten Privatsammlungen mit Kunst des 19. Jahrhunderts.
Bild: © Steffen Egly
Mitte der 1990er Jahre werden in Bayern sieben neue Fachhochschulen eingeweiht. Bei einem Besuch der Fachhochschule Amberg-Weiden 1999 reicht ein Roboter Ministerpräsident Edmund Stoiber eine Maß Bier zur Begrüßung.
Bild: OTH Amberg-Weiden
Der Bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß (rechts) im Gespräch mit US-Präsident Ronald Reagan im Weißen Haus 1988.
Bild: HSS-ACSP/Foto Winfried Rabanus
Der Freistaat ist widerspenstig, pocht auf seine Eigenständigkeit und kämpft vehement für die Rechte der Länder gegenüber Bund und EU. Ministerpräsident Franz Josef Strauß vertritt Bayerns Interessen weltweit, scheitert aber als Kanzlerkandidat. Die im oberpfälzischen Wackersdorf geplante atomare Wiederaufarbeitungsanlage provoziert Proteste der Bürger und wird später gestoppt. Aus der Umwelt- und Friedensbewegung geht eine neue Partei hervor: Im Jahr 1986 ziehen die Grünen in den Bayerischen Landtag ein.
Bei den Olympischen Spielen in München im Jahr 1972 präsentiert sich Bayern weltoffen und bunt. Doch das Attentat auf israelische Sportler wirft lange Schatten auf das Großereignis. Im Jahr darauf markiert die Ölkrise für viele das Ende des Wirtschaftswunders. Doch auch wenn Arbeitsplätze in der Landwirtschaft und in traditionellen Industrien verloren gehen, läuft der Strukturwandel in Bayern reibungsloser als anderswo: Im Jahr 1975 sind erstmals mehr Menschen im Dienstleistungssektor beschäftigt als in der Produktion. Die Bayerische Landesregierung profiliert sich gegen die sozialliberale Koalition in Bonn und bringt große Infrastrukturprojekte wie den neuen Flughafen für München in Gang.
Die Olympischen Sommerspiele beginnen 1972 unter dem hochmodernen Glasdach des neuen Olympiastadions in München als „heiteres“ Großereignis.
Bild: PantherMedia / Boris15
„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“
*der bis heute gültigen Bayerischen Verfassung von 1946.
Zur Bayerischen Verfassung
Die Olympischen Sommerspiele 1972 enden mit einer erschütternden Bilanz: 17 Menschen kommen bei der Geiselnahme von München ums Leben.
Bild: Bayerische Staatskanzlei
Der Terror der Rote-Armee-Fraktion (RAF) erschüttert auch Bayern: Am 12. Mai 1972 verübt die RAF auf dem Parkplatz des Landeskriminalamt in München einen Autobombenanschlag, bei dem fünf Polizeibeamte verletzt werden.
Bild: Archiv Redaktion Bayerns Polizei
Voller Stolz eröffnet Landwirtschaftsminister Dr. Hans Eisenmann (rechts) 1970 im Bayerischen Wald den ersten deutschen Nationalpark als „Urwald für unsere Kinder und Kindeskinder“.
Bild: Nationalpark Bayerischer Wald
Mit dem Wohlstand kommt die Reiselust. Die moderne bayerische Familie zieht es bevorzugt an die italienische Riviera.
Bild: Haus der Bayerischen Geschichte
Studenten der Ludwig-Maximilians-Universität München protestieren im Mai 1968 gegen die geplanten Notstandsgesetze.
Bild: Bundesarchiv, Bild 183-G0516-0044-001 / Fotograf: o. Ang.
Bayern wandelt sich rasant vom Agrar- zum Industriestaat: Im ganzen Land werden neue Gymnasien und Universitäten gegründet und Verkehrsachsen gebaut. Ministerpräsident Alfons Goppel symbolisiert in seiner Rolle als Landesvater Kontinuität im Wandel und bayerisches Selbstbewusstsein. Das Wirtschaftswunder verändert die Lebenswelt spürbar. Waschmaschinen und Fernseher werden Alltagsgüter, die Menschen leisten sich erste Italien-Urlaube. Gastarbeiter aus Italien, Spanien, Griechenland und der Türkei unterstützen das Wachstum der bayerischen Wirtschaft. Die rebellische Jugend drängt auf eine weitergehende Liberalisierung der Gesellschaft und zieht zunehmend in die Städte.
Alfons Goppel ist bei der Grundsteinlegung der Universität Regensburg am 20. November 1965 persönlich anwesend.
Bild: Staatliches Bauamt Regensburg
„Doch wie es nun weitergehen mag, geblieben ist ein Land, das die ganze Vielfalt von Landschaft und Volkstum ausspielt, immer noch etwas Festgefügtes hat und etwas Umhaustes. Noch regiert werden kann, ohne die durchgestanzte Schablone. Ein Land, das einem noch Raum zum Atmen läßt, und doch den Blick wieder fängt an nicht allzufernen Grenzen. Dazu mehr als tausend Jahre eigener Geschichte, die uns tragen und halten, uns die innere Ruhe geben und den stillen Auftrag.“
Seit der Gründung der Bundesrepublik 1949 setzen sich die Bayerischen Ministerpräsidenten, Hans Ehard von der CSU ebenso wie Wilhelm Hoegner von der SPD, für eine starke Rolle der Länder ein. Der Wiederaufbau der bayerischen Städte kommt schnell in Fahrt. Dank der hohen Arbeitsleistung der Bevölkerung und der Hilfen aus den USA erholt sich nach der Währungsreform von 1948 die bayerische Wirtschaft rasch. So rasch, dass die Menschen von einem „Wunder“ sprechen. In der Sozialen Marktwirtschaft gelingt es, marktwirtschaftliche Freiheit und soziale Sicherung für die Menschen miteinander zu verbinden.
Seit 1949 ist das Maximilianeum Sitz des Bayerischen Landtags. Das frühere Parlamentsgebäude an der Prannerstraße wurde im Krieg völlig zerstört.
Bild: Bildarchiv Bayerischer Landtag, Foto: Rolf Poss
„Bayern ist ein Rechts-, Kultur- und Sozialstaat. Er dient dem Gemeinwohl. Der Staat schützt die natürlichen Lebensgrundlagen und die kulturelle Überlieferung. Er fördert und sichert gleichwertige Lebensverhältnisse und Arbeitsbedingungen in ganz Bayern, in Stadt und Land.“
*der bis heute gültigen Bayerischen Verfassung von 1946.
Zur Bayerischen Verfassung
Ministerpräsident Wilhelm Hoegner (SPD) liefert den Vorentwurf für die Bayerische Verfassung von 1946. Der Umweltschutz sowie der freie Zugang zu den Naturschönheiten sind ihm wichtige Anliegen.
Bild: Haus der Bayerischen Geschichte
„Wir wissen nicht, was aus Deutschland wird, aber den bayerischen Staat wollen wir uns so einrichten, daß sich auch der ärmste bayerische Arbeiter und Bauer darin heimisch fühlen kann.“
Neubeginn des Lebens in der Demokratie: Amerikanische GIs als Zuschauer der bayerischen Blasmusik-Kapelle Great Bavarian Show in einem Münchner Biergarten.
Bild: Haus der Bayerischen Geschichte
Am Ende des Zweiten Weltkriegs liegen viele Städte Bayerns in Trümmern. In Würzburg sind mehr als vier Fünftel der Stadt zerstört.
Bild: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege
Im Jahr 1939 beginnt Hitler-Deutschland den Zweiten Weltkrieg, in dem weltweit über 60 Millionen Menschen ihr Leben verlieren. Die Nationalsozialisten und ihre Handlanger ermorden sechs Millionen Juden. Nach der deutschen Kapitulation 1945 besetzen amerikanische Truppen Bayern. Die Amerikaner ermöglichen die Erneuerung von Staatlichkeit und Demokratie in Bayern. Bald wählt die Bevölkerung Gemeinderäte, Kreistage und schließlich eine verfassungsgebende Landesversammlung und den Landtag. „Angesichts des Trümmerfeldes, zu dem eine Staats- und Gesellschaftsordnung ohne Gott, ohne Gewissen und ohne Achtung vor der Würde des Menschen die Überlebenden des Zweiten Weltkrieges geführt hat“, erarbeiten frei gewählte bayerische Politiker eine neue demokratische Verfassung. Bei der Volksabstimmung sagen 70 Prozent „Ja“. Der Freistaat, wie sich Bayern „eingedenk seiner mehr als tausendjährigen Geschichte“ wieder nennt, wird zum demokratischen Kultur-, Sozial- und Rechtsstaat: Der Staat schützt die Menschenwürde und die natürlichen Lebensgrundlagen, die Wirtschaft dient dem Gemeinwohl und die Naturschönheiten müssen für alle frei zugänglich sein. Am 1. Dezember 1946 tritt die neue Verfassung des Freistaats Bayern in Kraft. Die ersten Aufgaben der bayerischen Nachkriegspolitik sind der Kampf gegen Hunger, Knappheit und Wohnungsnot sowie die Unterbringung von über zwei Millionen Flüchtlingen und Heimatvertriebenen. Der Freistaat wird 1949 Teil der im Grundgesetz föderal organisierten Bundesrepublik Deutschland und bekennt sich in seiner Verfassung seit 1998 zum geeinten Europa.
Die von den Bürgern gewählte Landesversammlung erarbeitet 1946 in der Großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität München die Verfassung, die bis heute gilt.
Bild: Bildarchiv Bayerischer Landtag
Im Jahr 1941 überfällt Hitler-Deutschland die Sowjetunion. Regen, Schlamm und eisige Temperaturen bringen den Vormarsch der Wehrmacht jedoch schnell zum Erliegen.
Bild: Bayerische Staatsbibliothek
Die Weltwirtschaftskrise treibt ab 1929 die Arbeitslosigkeit in die Höhe. Davon profitiert die NSDAP. Bei den Wahlen 1932 liegt sie mit der Bayerischen Volkspartei gleichauf. Am 9. März 1933 drängt Hitlers NS-Reichsregierung per Telegramm aus Berlin Ministerpräsident Heinrich Held von der Bayerischen Volkspartei aus dem Amt. Bayern wird wie alle anderen deutschen Länder „gleichgeschaltet“. Die Nationalsozialisten setzen die gewählte bayerische Regierung ab und verbieten alle Parteien außer der NSDAP. Der Landtag beschließt ein Ermächtigungsgesetz und wird aufgelöst. Das NS-System versucht, alle gesellschaftlichen Bereiche zu durchdringen und errichtet eine Diktatur. Dabei stoßen die Nationalsozialisten vereinzelt an Grenzen, etwa bei politisch organisierten Arbeitern, den Kirchen oder in katholischen Milieus. Insgesamt gewinnt das Regime jedoch nach und nach stark an Akzeptanz. In Dachau errichten die Nationalsozialisten das erste KZ für politische Gegner. Juden werden systematisch entrechtet. Am 9. November 1938 brennen die Synagogen.
Mit diesem Telegramm aus Berlin wurde Ministerpräsident Held im März 1933 aus dem Amt gedrängt.
Bild: Bayerisches Hauptstaatsarchiv
Abgeordnete eröffnen den gleichgeschalteten Bayerischen Landtag im April 1933 in München.
Bild: Bildarchiv Bayerischer Landtag
Über 200.000 Häftlinge aus ganz Europa werden zwischen 1933 und 1945 im Konzentrationslager Dachau interniert. 41.500 von ihnen werden ermordet.
Bild: Bundesarchiv / Bauer, Friedrich Franz, 28. Juni 1938
Der NSDAP-Reichsparteitag in Nürnberg 1934 demonstriert die systematische Gleichschaltung von Staat und Gesellschaft unter der NS-Diktatur.
Bild: Bundesarchiv / Georg Pahl, September 1934
„Alle durch die nationalsozialistische Gewaltherrschaft wegen ihrer religiösen oder politischen Haltung oder wegen ihrer Rasse Geschädigten haben im Rahmen der Gesetzgebung Anspruch auf Wiedergutmachung.“
*der bis heute gültigen Bayerischen Verfassung von 1946.
Zur Bayerischen Verfassung
Heinrich Held, Bayerischer Ministerpräsident von 1924 bis 1933.
Bild: Bayerische Staatsbibliothek München/ Bildarchiv
„Bayern und München im Besonderen war demokratisch, lange bevor in Deutschland von ‚Demokratie‘ in irgendeinem revolutionären Sinne die Rede war. Es war und ist demokratisch im folkhaft-volkstümlichen, das heißt also: in konservativem Geiste.“
Beim Aufmarsch der Einwohnerwehren 1920 auf dem Königsplatz demonstrierten rechte Kräfte ihre Stärke.
Bild: Bundesarchiv
Unter dem Eindruck der gerade in Bayern gewalttätigen (Gegen-)Revolution und des Versailler Vertrags bestimmen bald wieder monarchische, deutschnationale und auch rechtsradikale Kräfte die politische Wirklichkeit. Ihr Ziel: Die alten Verhältnisse wiederherzustellen und Bayern zu einer „Ordnungszelle“ im Deutschen Reich zu machen. Bewaffnete Verbände beeinflussen das politische Leben, das von wiederholten Regierungswechseln und der grassierenden Hyperinflation erschüttert wird. Auf diesem Boden nimmt die NSDAP ihre Anfänge. Der Hitler-Putsch von 1923 scheitert an den Gegenmaßnahmen der bayerischen Regierung und Polizei. Unter Ministerpräsident Heinrich Held von der Bayerischen Volkspartei kehrt politische Stabilität ein. Held versucht vor allem, die zentralistische Reichsverfassung zu korrigieren, die die Eigenstaatlichkeit Bayerns erheblich einschränkt.
Am 9. November 1923 versuchen die Nationalsozialisten in München zu putschen. Im Bild Heinrich Himmler (Mitte), späterer SS-Chef und zweiter Mann in der NS-Hierarchie.
Bild: Bayerische Staatsbibliothek München/ Bildarchiv
„„Bayern ist ein Freistaat.“ Artikel aus der Verfassung des Freistaats Bayern von 1919 (Bamberger Verfassung) “
*der bis heute gültigen Bayerischen Verfassung von 1946.
Zur Bayerischen Verfassung
Umsturz und Revolution in München am 7. und 8. November 1918. Nach einer Friedenskundgebung in München schafft Kurt Eisner, ein Journalist und Führungspersönlichkeit der sozialistischen USPD (Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands), mit Hilfe weniger sozialistischer Anhänger und bewaffneter Soldaten einen Umsturz fast ohne Gegenwehr. König Ludwig III. entbindet die Beamten und Soldaten von ihrem Treueeid und flieht. Eisner verkündet: „Bayern ist fortan ein Freistaat.“ Er sorgt für das Frauenwahlrecht und den Acht-Stunden-Arbeitstag, verliert aber die Landtagswahl vom 12. Januar 1919 deutlich. Nur 2,5 Prozent stimmen für seine USPD. Als Eisner zurücktreten will, wird er von einem Rechtsradikalen erschossen. Die politische Gewalt in München eskaliert. Links- wie rechtsradikale Kräfte verüben Gräueltaten. Der wegen der politischen Unruhen in München nach Bamberg verlagerte Landtag erarbeitet eine neue demokratische Verfassung mit Grundrechten für jedermann.
Der Bayerische Landtag verabschiedet 1919 im Bamberger Exil die neue Landesverfassung.
Bild: Bildarchiv Bayerischer Landtag
Im April 1919 spitzt sich die Situation in München zu.
Bild: Bildarchiv Bayerischer Landtag
Für viele Bürger kam die Revolution im Jahr 1918 überraschend, wie diese zeitgenössische Postkarte illustriert.
Bild: Haus der Bayerischen Geschichte
Revolution bis ins Detail: Briefmarken mit dem Bild Ludwigs III. behalten ihre Gültigkeit, werden aber überstempelt.
Bild: Haus der Bayerischen Geschichte
Kurt Eisner: Revolutionsführer, Mitglied der sozialistischen USPD, prägende Persönlichkeit der Revolution von 1918 in München und provisorischer Ministerpräsident des Freistaats Bayern. Er prägte maßgeblich den Begriff „Freistaat Bayern“.
Bild: Bundesarchiv
„Die Revolution ist nicht die Demokratie. Sie schafft erst die Demokratie.“
„Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl“
*der bis heute gültigen Bayerischen Verfassung von 1946.
Zur Bayerischen Verfassung
Der tapfere bayerische „Seppl“ widersetzt sich dem gierigen „Preußendrachen“, der sich das Bayernland einverleiben möchte.
Die Postkarte zeigt, dass der Reichsoptimismus im traditionell eigenständigen Bayern keineswegs überall Zuspruch fand.
Bild: Haus der Bayerischen Geschichte
Bayern verliert seine Selbstständigkeit im deutschen Kaiserreich. Auf der Seite des Deutschen Bundes und seiner Leitmacht Österreich zieht Bayern in den Krieg gegen Preußen um die Zukunft Schleswigs und Holsteins und erfährt eine Niederlage. Es verbündet sich mit Preußen, kämpft an dessen Seite gegen Frankreich und steht 1870 auf der Seite der Sieger. Und dennoch ist der Sieg eine Niederlage: Bayern verliert im neuen Deutschen Kaiserreich 1871 seine Selbstständigkeit. Zumindest kann es die Hoheit über Post, Eisenbahn und die Armee in Friedenszeiten wahren – und über die Biersteuer.
Preußische und bayerische Truppen treffen im Juli 1866 vor Würzburg aufeinander. Im August kommt es zum Waffenstillstand.
Bild: Repro aus der Sammlung Walter Hamm (Uettingen)
Bayern ist auf den Barrikaden, zumindest in den größeren Städten. Insbesondere in München kommt es zu Unruhen, wie diese bereits in ganz Europa und Deutschland schwelen. Selbstbewusste Bürger fordern mehr Rechte ein. Der Funke am politischen Pulverfass allerdings ist die Geliebte Ludwigs I., die geadelte Tänzerin Lola Montez, der politische Einflussnahme nachgesagt wird.
Der König kündigt zunächst Reformen an, kann seine persönlichen Überzeugungen aber nicht mit den Forderungen in Einklang bringen. Er tritt zurück und übergibt die Krone an seinen Sohn Maximilian II. Eine Sensation in Deutschland und dem jungen Königtum. Maximilian erweitert die Rechte des Landtages, gestaltet das Wahlrecht freier, stärkt die Pressefreiheit und ermöglicht Versammlungs- sowie Vereinsfreiheit. Damit legt er zugleich die Grundlage für eine aktive und heimatverbundene Bürgergesellschaft in Bayern.
Bürger erstürmen 1848 das Münchner Zeughaus.
Bild: Münchner Stadtmuseum
Im Zuge der Märzrevolution kündigt König Ludwig I. am 6. März in einer Proklamation Reformen an. Bereits am 30. März tritt er jedoch zurück und übergibt seinem Sohn Maximilian II. die Königskrone.
Bild: Münchner Stadtmuseum
„Ich habe 23 Jahre als wahrer König geherrscht und soll jetzt noch ein bloßer Unterschreiberkönig sein, gebunden und gefesselt an beiden Händen, nein, das kann ich nicht.“
Ludwig I. erhob seine Geliebte Lola Montez 1847 zur Bayerischen Gräfin von Landsfeld.
Bild: Bayerische Schlösserverwaltung
Im unterfränkischen Ort Gaibach erinnert die prächtige Konstitutionssäule an die Bayerische Verfassung von 1818.
Bild: BR-Mainfranken/Nathalie Bachmann
Am 4. Februar 1819 wird die erste Ständeversammlung des Königreichs Bayern eröffnet. In der feierlichen Zeremonie nimmt der König seinem Sohn, Kronprinz Ludwig, den Eid auf die Verfassung ab und bestätigt damit ihren Fortbestand.
Bild: Haus der Bayerischen Geschichte
Bayern wird 1818 zum modernen Verfassungsstaat. Schon 1808 wurde eine Verfassung entwickelt, die Bayern mit an die Spitze der konstitutionellen Bewegung in Europa setzte. Sie konnte aber wegen der Napoleonischen Kriege nicht umgesetzt werden. Im Jahr 1818 gibt der König dann eine Verfassung. Das Besondere: Bei der Thronbesteigung lassen sich die bayerischen Könige nicht krönen, sondern schwören stattdessen auf die Verfassung. Bayern ist eine konstitutionelle Monarchie. Es gibt Regeln, an die sich auch der König halten muss. Die Macht des Königs wird also begrenzt, auch er hat sich den Gesetzen zu beugen und eine eigene Ständeversammlung hat Einfluss auf Gesetzgebung und Steuerbewilligung. Sie wird zur Keimzelle des Parlamentarismus und des späteren Landtags. Ganz im Geiste der Aufklärung garantiert die Verfassung zudem die Gleichheit vor dem Gesetz, Religionsfreiheit, eine erweiterte Meinungsfreiheit und den Zugang zu Staatsämtern nach Befähigung statt nach Geburt.
König Max I. Joseph schwört auf die Bayerische Verfassung von 1818.
Bild: Bayerische Schlösserverwaltung
Verfassung des Königreiches Bayern von 1818: Erst mit dem Ende des Ersten Weltkrieges und dem Ende der Monarchie verlor sie 1918 ihre Gültigkeit.
Bild: Bayerisches Hauptstaatsarchiv
Am 1. Januar 1806 wird das Kurfürstentum Bayern zum Königreich erhoben. Im Zeitalter Napoleons und der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation wird Europa neu geordnet:
Klöster werden aufgelöst, Reichsritter, Fürstbistümer und Reichsstädte verlieren ihre Unabhängigkeit. Diese Territorien in Schwaben und Franken werden auf dem Wiener Kongress 1815 dem neuen Bayern zugesprochen. Das Zusammenwachsen des neuen Staates mit der Hauptstadt München, Wirtschaftszentren in Augsburg, Nürnberg und Oberfranken sowie den vielen ehemaligen Residenzstädten von Füssen bis Bamberg und von Aschaffenburg bis Passau ist teilweise schmerzhaft und bringt Chancen wie Herausforderungen.
Die Krone des Königreichs Bayern in der Schatzkammer der Münchner Residenz mit Reichsapfel und Königinnenkrone.
Bild: Wikimedia
Kurfürst Max Emanuel von Bayern als Feldherr, 1706.
Bild: Wikimedia
Mit dem Ausgang des Dreißigjährigen Krieges wird die Staatsgewalt zunehmend auf den Fürsten konzentriert: Politisch bestimmt der Absolutismus Bayern, kulturell der Barock.
Beide finden ihren architektonischen Ausdruck in Residenzneubauten in Kempten, Bamberg und Würzburg oder im Opernhaus in Bayreuth.
Der „Blaue Kurfürst“ Maximilian II. Emanuel ist ein typischer Barockfürst: Er bewährte sich im „Großen Türkenkrieg“ als Feldherr, baute die Schlösser Schleißheim und Nymphenburg und träumte vom Aufstieg Bayerns zur europäischen Großmacht. Nur mit Glück und hohen Schulden überstand das Land die hochfliegenden Ambitionen.
Bayern wird Kurfürstentum. Die Wittelsbacher erringen 1623 die Kurwürde, das Recht den Kaiser zu wählen. Diese Rangerhöhung verdankte Maximilian I. seiner Gefolgschaft für den deutschen Kaiser zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges.
Wappen des Kurfürstentums Bayern.
Bild: Wikimedia
Die Hohe Schule, das Hauptgebäude der Universität Ingolstadt, 1571.
Bild: Karl Franz Emil Schafhäutl
In Ingolstadt wird die erste Landesuniversität gegründet. Die bayerische Gelehrsamkeit findet damit eine Heimstatt außerhalb der Klöster. Hier sollen Juristen für die herzogliche Verwaltung ausgebildet werden.
Ab 1517 wird die Universität Ingolstadt zum bedeutsamen Zentrum der Gegenreformation und als Jesuitenuniversität zum Modell für ganz Europa.
1800 wurde sie nach Landshut und 1826 schließlich nach München verlegt, wo sie heute als Ludwig-Maximilians-Universität fortbesteht.
Ludwig der Bayer wird 1314 deutscher König und 1328 Kaiser
Herzog Ludwig auf dem Löwenthron: Erinnerungsbriefmarke an den Sieg des Wittelsbachers gegen die Habsburger um die Vorherrschaft in Baiern bei der Schlacht
Bild: Haus der Bayerischen Geschichte
Erste Seite der Handschrift des Nibelungenlieds.
Bild: Wikimedia
Um 1200 setzte die Wende vom Hoch- zum Spätmittelalter ein. Das Herzogtum „Baiern“ wächst, doch Erbteilungen sorgen für andauernde Spannungen und Zersplitterung.
In der „Staufischen Klassik“ blüht die (mittelhoch)deutsche Literatur – auch im heutigen Bayern, etwa mit der Heldendichtung des Nibelungenliedes: Bischof Wolfger von Erla fördert einen unbekannten Dichter, der das Lied vermutlich an dessen Hof in Passau niederschreibt.
Darstellung von Siegfrieds Ermordung.
Bild: Wikimedia
Augsburg (1156) und Nürnberg (1200) erhalten vom Kaiser das Stadtrecht. Schrittweise erkämpfen sie sich die „Reichsfreiheit“: Ihre Bürger sind nur noch dem Kaiser Untertan. Auch Bischöfe und einzelne Klöster lösen ihre Territorien aus dem Zugriff des bairischen Herzogs. So entstehen auf dem Gebiet des heutigen Bayern föderale und auf Konkurrenz ausgerichtete Strukturen, die ebenso für territoriale Spannungen sorgen wie sie den Fortschritt durch Wettbewerb befördern.
Kaiser Friedrich Barbarossa setzt den Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach als neuen Herzog von Bayern ein. Damit beginnt die Herrschaft der Dynastie der Wittelsbacher, die bis zum Ende des Königsreiches 1918 fortdauern sollte.
Schlacht von 1180 mit Otto I. von Wittelsbach und Heinrich dem Löwen. Mit dem Aufstieg Ottos I. zum Herzog beginnt die Herrschaft der Wittelsbacher über Bayern.
Bild: Haus der Bayerischen Geschichte
Regensburger Sakramentar für den Bamberger Dom: Heinrich II. bei seiner Krönung zum Kaiser, umgeben vom Heiligen Ulrich von Augsburg und dem Heiligen Emmeram
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Der bayerische Herzog Heinrich und seine Frau Kunigunde werden vom Papst im Petersdom zu Kaiser und Kaiserin des Heiligen Römischen Reiches gekrönt. Beide haben 1007 das Bistum Bamberg gegründet, sind dort im Dom bestattet und werden als Heilige verehrt.
Beginn des Herzogtums Bayern: Ab der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts vollzieht sich zwischen Donau und Alpen die Neubildung des Stammes der Bajuwaren. Ab der Mitte des 6. Jahrhunderts ist die Existenz eines bairischen Stammesherzogtums mit Sitz in Freising und Regensburg unter den Agilolfingern belegt.
Der erste bayerische Herzog ist mit Garibald I. um 550 urkundlich nachgewiesen.
Bild: Haus der Bayerischen Geschichte
Im römischen Reich der Spätantike fasst schrittweise ein neuer Glaube Fuß: das Christentum. Er wird Bayern über die Jahrtausende maßgeblich prägen.
Mit der Heiligen Afra ist um 300 bereits eine erste Märtyrerin in Augsburg nachgewiesen. Nach den Wirren der Völkerwanderungszeit entstehen erste zivilisatorische Strukturen durch die Mission der iroschottischen Wandermönche, etwa im Raum Würzburg durch den Heiligen Kilian, in Füssen durch den Heiligen Magnus oder in Freising durch den Heiligen Korbinian.
Klöster und Bistümer werden gegründet und bilden im Frühmittelalter die kulturellen Zentren der kirchlichen und weltlichen Herrschaft. So legt der Heilige Bonifatius zwischen den Jahren 739 und 742 den Grundstein für die Bistümer Augsburg, München und Freising, Eichstätt, Passau, Regensburg und Würzburg.
Holzschnitt von Augsburg aus der Schedel’schen Weltchronik.
Bild: Wikimedia
Das Gebiet des heutigen Bayerns wird in weiten Teilen durch die römischen Legionen erobert und besiedelt, wodurch eine schrittweise Romanisierung einsetzt.
Hiervon zeugen noch heute die Überreste des Limes von Gunzenhausen über Regensburg bis Straubing sowie die archäologischen Funde in den Römerstädten Kempten (Cambodunum) und Augsburg (Augusta Vindelicum als Provinzhauptstadt Raetiens).